Jede Studie leistete einen wichtigen Beitrag. Sie teilen jedoch strukturelle Einschränkungen: Sie testen eine feste Anzahl von IPs zu einem einzigen Zeitpunkt, stützen sich auf Referenzdaten, die entweder privat (ISP-Daten) oder synthetisch (WHOIS, DNS-Hostnamen, bekannte Orientierungspunkte) sind, und konzentrieren sich hauptsächlich auf Infrastruktur-IPs statt auf den Endnutzerverkehr.
Eine aktuelle Studie der Universität Chicago untersuchte die Verwendung von Gerätestandortdaten aus Geschwindigkeitstests als Referenzwert – die erste Studie, die die IP-Geolokalisierung anhand tatsächlicher, von Nutzern gemeldeter Standorte in großem Maßstab validierte. Die Forscher stellten fest, dass die Genauigkeit je nach Region, Mobilfunkanbieter und Zugriffsmodus erheblich variiert – Nuancen, die nur mit nutzerstandortbasierten Referenzdaten sichtbar werden.
Wie IP Accuracy Arena funktioniert
Die Arena baut auf dem Ansatz auf, den Nutzerstandort als Referenz zu verwenden, angepasst an die kontinuierliche, crowdbasierte Datenerhebung:
- Ein Teilnehmer besucht die Arena und erteilt die Standortberechtigung über die Geolocation-API des Browsers. Auf Mobilgeräten wird hierfür üblicherweise GPS (Genauigkeit: 5–15 m) verwendet. Auf Desktop-Computern liefern Wi-Fi-Positionierung oder andere Signale einen ungefähren Standort – weniger präzise, aber für Vergleiche auf Stadtebene aussagekräftig.
- Die Gerätekoordinaten werden per Reverse Geokodierung einer Referenzstadt, -region und einem Referenzland zugeordnet. Dies ist der Referenzstandort.
- Die öffentliche IP-Adresse des Teilnehmers wird gleichzeitig an alle getesteten Anbieter gesendet. Wir erfassen die von jedem Anbieter zurückgegebenen Koordinaten, Stadt, Region und Land.
- Die Koordinaten jedes Anbieters werden mithilfe desselben Dienstes, der auch für den Referenzstandort verwendet wird, rückgeokodiert, um eine einheitliche Benennung zu gewährleisten. Die rückgeokodierten Ergebnisse werden normalisiert und auf Übereinstimmung bei Stadt, Region und Land verglichen. Der Haversine-Entfernungsfehler zwischen Anbieter- und Gerätekoordinaten wird berechnet.
- Die Ergebnisse fließen in die Live-Rangliste ein und werden mittels inverser Varianzgewichtung (1/Genauigkeit²) aggregiert, sodass GPS-Messungen mit höherer Genauigkeit stärker in die Rangliste einfließen. Wiederholte Tests derselben IP-Adresse vom selben Standort werden innerhalb von 7-Tage-Fenstern dedupliziert, wobei nur das jeweils neueste Ergebnis zählt.